Green Talk: „Vollständig begrünte Grundstücksabgrenzungen sollten zum Standard werden“ von Nanda Sluijsmans
1. April 2026Voll ausgewachsene grüne Zäune bieten sofortigen Sichtschutz, fördern die Biodiversität und tragen zur Klimaanpassung bei. In diesem Green Talk teilt ir. Nanda Sluijsmans ihre Perspektive auf die Rolle von Grundstücksabgrenzungen in einer naturinklusive Stadtentwicklung. In vielen Neubauprojekten wird Begrünung noch immer als abschließender Schritt betrachtet. Dabei bietet gerade die Planungsphase eine wichtige Chance, die Qualität von Wohnumgebungen von Anfang an zu verbessern. Laut Nanda Sluijsmans, die im Bereich Stadtentwicklung und Begrünung tätig ist, sticht eine Maßnahme besonders hervor: die Installation voll ausgewachsener grüner Zäune von Beginn an. „Für einige Projektentwickler ist das völlig selbstverständlich, während es für andere fast unmöglich erscheint“, sagt Sluijsmans. „Dabei ist es eigentlich eine einfache Entscheidung mit großer Wirkung.“
Was sagt diese Entscheidung über ein Projekt aus?
„Sie zeigt sofort, wie ernst Themen wie Wohnqualität, Nachhaltigkeit und naturinklusive Bauweise genommen werden“, erklärt Sluijsmans. Ihrer Ansicht nach berührt die Entscheidung für voll ausgewachsene grüne Zäune den Kern der Stadtentwicklung. Wird Begrünung als wesentlicher Bestandteil betrachtet – oder lediglich als nachträgliche Ergänzung? „Diesen Unterschied erkennt man sehr deutlich an Grundstücksabgrenzungen. Es mag ein relativ kleines Element sein, aber eines, das die Bewohner täglich erleben.“

Was läuft bei der herkömmlichen Umsetzung schief?
In vielen Projekten werden Zäune mit jungen Kletterpflanzen installiert, die erst noch wachsen müssen. Das Ergebnis ist oft eine offene und wenig ansprechende Abgrenzung. „Dünne Pflanzen bieten weder Privatsphäre noch echte Qualität. Bewohner lösen das dann selbst, indem sie geschlossene Zäune installieren“, erklärt Sluijsmans. „Dadurch geht nicht nur die grüne Wirkung verloren, sondern auch der Beitrag zur Biodiversität und zur Klimaanpassung.“ Ihr zufolge stellt dies auf mehreren Ebenen eine verpasste Chance dar:
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- Visuelle Qualität der Wohnumgebung
- Wohnkomfort und Privatsphäre
- Ökologischer Mehrwert
- Klimatische Resilienz
Welche Vorteile bieten voll ausgewachsene begrünte Zäune?
Der entscheidende Unterschied liegt sowohl in der sofortigen Wirkung als auch in der langfristigen Entwicklung. „Ein dichter grüner Zaun funktioniert vom ersten Tag an“, sagt Sluijsmans. „Und er wird jedes Jahr besser.“ Der Mehrwert umfasst:
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- Sofortiger Sichtschutz und ein grünes Straßenbild
- Erhöhte Biodiversität, da Schutzräume und später auch Nahrungsquellen entstehen
- Verbesserte Wasseraufnahme durch gesunde Boden- und Wurzelstrukturen
- Kühlende Effekte im Wohnumfeld
- Entwicklung eines lebendigen Bodenlebens
„Das System stärkt sich im Laufe der Zeit selbst – mehr Wurzeln, mehr Verzweigungen, mehr Leben.“

Ist es nicht teurer, es von Anfang an richtig zu machen?
„Diese Annahme ist tatsächlich falsch“, stellt Sluijsmans klar. „Im Vergleich zu den gesamten Baukosten ist der Unterschied minimal.“ Im Gegenzug bietet es einen klaren Mehrwert:
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- Weniger nachträgliche Anpassungen durch Bewohner
- Ein einheitlicheres Straßenbild
- Höhere Wohnqualität
„Es ist eine kleine Investition mit großer Wirkung, sowohl kurz- als auch langfristig.“
Was ist bei der Umsetzung zu beachten?
Laut Sluijsmans liegt der Erfolg in der fachgerechten Ausführung. „Lassen Sie dies von einem Landschaftsgärtner und nicht von einem Bauunternehmen ausführen. Es erfordert Kenntnisse über Bodenverhältnisse und Wurzelraum.“ Wichtige Aspekte sind:
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- Ausreichendes durchwurzelbares Bodenvolumen
- Geeignete Bodenstruktur
- Die richtige Pflanzenauswahl
- Integration ökologischer Elemente
„Schon eine einfache Ergänzung wie ein Igel-Durchgang verbindet Gärten zu einem größeren Ökosystem.“
Wie passt das in eine naturinklusive Bauweise?
Voll ausgewachsene grüne Zäune sind laut Sluijsmans ein praktisches Beispiel für naturinklusive Bauweise. „Begrünung muss nicht komplex sein. Entscheidend ist, zum richtigen Zeitpunkt im Prozess bewusste Entscheidungen zu treffen.“ Gleichzeitig eröffnet dies weitere Möglichkeiten:
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- Einsatz heimischer Pflanzenarten
- Vielfältige Bepflanzung, etwa gemischte Hecken in unterschiedlichen Höhen
- Vernetzung grüner Strukturen
Was muss sich in der Branche ändern?
Laut Sluijsmans liegt der Schlüssel in der Priorisierung. „Grüne Infrastruktur verdient die gleiche Aufmerksamkeit wie der Wohnungsbau selbst. Nur so entsteht ein wirklich funktionierendes Gesamtkonzept.“ Voll ausgewachsene grüne Zäune sind kein Luxus, sondern ein logischer Schritt. „Sie sind einfach, effektiv und sofort sichtbar. Genau deshalb sollten sie zum Standard werden.“
Über Nanda Sluijsmans
Nanda Sluijsmans ist Stadtplanerin und Landschaftsarchitektin sowie Gründerin von Sluijsmans Urbanism and Landscape. Sie arbeitet mit Gemeinden, Projektentwicklern und Wohnungsbaugesellschaften zusammen, um grüne, zukunftsfähige Lebensräume zu schaffen. Ihr Fokus liegt auf Klimaanpassung, Biodiversität und naturinklusive Bauweise. Ihr Ansatz zeichnet sich dadurch aus, ambitionierte Ziele in praktische und umsetzbare Lösungen zu übersetzen, die sofort einen Mehrwert für die Wohnumgebung bieten. Darüber hinaus teilt sie aktiv Wissen und Inspiration über Vorträge und soziale Medien und gibt praxisnahe Einblicke in die Begrünung urbaner Räume.