Green Talk: Schwammstadt und Gebäudebegrünung mit Michael Gräf
8. Juni 2026Wie Dächer und Fassaden unsere Städte klimaresilient machen
Hitzewellen, Starkregen und zunehmende Flächenversiegelung stellen Städte weltweit vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig wächst die Erkenntnis, dass Gebäude künftig weit mehr sein müssen als reine Nutzflächen. Begrünte Dächer und Fassaden können Regenwasser speichern, urbane Hitze reduzieren, die Biodiversität fördern und einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung leisten.
Im Green Talk spricht DI Dr. Michael Gräf darüber, warum Gebäudebegrünung zu einem zentralen Baustein moderner Stadtentwicklung wird, welche Rolle Schwammstadt-Konzepte künftig spielen und wie Dächer und Fassaden dazu beitragen können, unsere Städte lebenswerter und widerstandsfähiger zu gestalten.
Herr Dr. Gräf, sind Gebäude heute eher Teil des Problems oder Teil der Lösung?
Beides. Über viele Jahrzehnte wurden Städte so geplant, dass Regenwasser möglichst schnell abgeleitet wird. Dadurch sind Gebäude und versiegelte Flächen heute häufig Teil des Problems. Gleichzeitig bieten sie enorme Potenziale für die Zukunft. Begrünte Dächer und Fassaden können Wasser speichern, das Mikroklima verbessern und einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung leisten.
„Gebäude sind heute Teil des Problems, sie können aber gleichzeitig ein zentraler Teil der Lösung werden.“
Warum rücken Gebäude heute stärker in den Fokus der Stadtplanung?
Weil sich unser Verständnis von Stadtentwicklung verändert. Lange standen Infrastruktur und Bebauung im Mittelpunkt. Heute erkennen viele Städte, dass Natur und Wasser integrale Bestandteile einer resilienten Stadt sein müssen. Konzepte wie die Schwammstadt oder der Ansatz „Landscape First“ zeigen, dass Begrünung nicht länger Dekoration ist, sondern Infrastruktur.
Oft wird Gebäudebegrünung als Symbolik wahrgenommen. Ist die Wirkung tatsächlich messbar?
Absolut. Ein gutes Beispiel ist die Umgestaltung eines Kiesdachs der Arbeiterkammer Wien zu einem Retentionsgründach. Die Wasserspeicherung konnte dadurch von nahezu null auf rund 50 Liter pro Quadratmeter erhöht werden. Bei einer Dachfläche von etwa 2.000 Quadratmetern entspricht das einem Rückhaltevolumen von rund 100 Kubikmetern Wasser.

Diese Beispiele zeigen, dass Dachbegrünung und Regenwassermanagement konkrete und messbare Effekte haben, sowohl für einzelne Gebäude als auch für ganze Stadtquartiere.
Welche Rolle spielen Dach- und Fassadenbegrünungen bei der Klimaanpassung?
Sie wirken auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Begrünte Gebäude speichern Regenwasser, reduzieren Hitzeinseln, verbessern die Luftqualität und fördern die Biodiversität. Besonders wichtig ist dabei die Kühlleistung. Pflanzen verschatten Oberflächen und sorgen durch Verdunstung für natürliche Kühlung.
„Je vitaler die Pflanzen sind, desto größer ist ihre Wirkung auf das Mikroklima.“
Wird Fassadenbegrünung aus Ihrer Sicht eher unterschätzt oder überschätzt?
Bei guter Planung wird sie häufig unterschätzt. Vor allem wandgebundene Fassadensysteme mit Regenwassernutzung können einen wichtigen Beitrag zum Wassermanagement leisten. Gleichzeitig zeigen bodengebundene Fassadenbegrünungen, dass sich mit vergleichsweise geringem Aufwand große grüne Flächen schaffen lassen.
Was müssen Planer heute anders machen als noch vor zehn Jahren?
Der wichtigste Punkt ist das Systemdenken. Erfolgreiche Gebäudebegrünung beginnt nicht erst bei der Pflanzenauswahl. Standort, Bewässerung, Pflege und die Zusammenarbeit mit Fachplanern und Systemherstellern müssen frühzeitig berücksichtigt werden.
„Wir müssen raus aus dem Denken in Einzelmaßnahmen.“
Nur wenn Begrünung als Teil eines größeren Gesamtsystems verstanden wird, können ihre ökologischen und klimatischen Vorteile vollständig genutzt werden.

Ist Gebäudebegrünung ein Trend oder ein dauerhafter Wandel?
Für mich ist das ein struktureller Wandel. Städte reagieren auf Klimawandel, Hitze und Starkregen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen durch ESG-Kriterien, Klimagesetze und kommunale Vorgaben. Dachbegrünung und Fassadenbegrünung entwickeln sich zunehmend vom freiwilligen Zusatz zum neuen Baustandard.
Ihr Blick in die Zukunft: Wie sieht die klimaresiliente Stadt von morgen aus?
Die Stadt der Zukunft wird Wasser speichern statt ableiten. Gebäude werden aktiv zur Kühlung beitragen, Biodiversität fördern und Teil eines vernetzten urbanen Ökosystems sein. Besonders Dachflächen bieten dafür enorme Potenziale.
„Die Stadt der Zukunft beginnt auf unseren Dächern.“
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- wie Schwammstadt-Konzepte funktionieren
- welche Rolle Fassaden- und Dachbegrünung spielen
- wie Regenwassermanagement in Gebäuden integriert werden kann
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- welche Praxisbeispiele bereits heute funktionieren
- wie klimaresiliente Städte konkret umgesetzt werden können
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Über DI Dr. Michael Gräf
DI Dr. Michael Gräf ist Director bei LAND consulting Austria und Wissenschaftler im Bereich Natural Resources and Life Sciences. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Gebäudebegrünung, Schwammstadt, Regenwassermanagement und klimaresiliente Stadtentwicklung. Als Experte an der Schnittstelle von Forschung und Praxis begleitet er Projekte rund um grüne Infrastruktur und nachhaltige Stadtplanung.
FAQ: Schwammstadt, Fassadenbegrünung und Gebäudebegrünung
Was ist eine Schwammstadt?
Eine Schwammstadt ist ein Stadtentwicklungskonzept, bei dem Regenwasser möglichst lokal gespeichert, genutzt oder versickert wird, statt es schnell abzuleiten. Ziel ist es, Städte klimaresilienter gegenüber Starkregen, Hitze und Trockenperioden zu machen.
Wie funktioniert Fassadenbegrünung?
Fassadenbegrünung nutzt Pflanzen zur Begrünung von Gebäudehüllen. Dabei gibt es bodengebundene Systeme sowie wandgebundene Systeme mit integrierter Bewässerung und Nährstoffversorgung.
Welche Vorteile bieten Gründächer?
Gründächer speichern Regenwasser, reduzieren Hitze, fördern Biodiversität, verbessern das Mikroklima und verlängern die Lebensdauer von Dachabdichtungen.
Wie viel Wasser kann ein Retentionsdach speichern?
Je nach Aufbau und System können Retentionsdächer große Mengen Wasser speichern. Im Wiener Praxisbeispiel wurden 50 Liter Wasser pro Quadratmeter gespeichert, insgesamt rund 100 m³ Wasser auf 2.000 m² Dachfläche.
Welche Rolle spielt Gebäudebegrünung bei der Klimaanpassung?
Gebäudebegrünung reduziert urbane Hitzeinseln, verbessert Regenwassermanagement und erhöht die Resilienz von Städten gegenüber Klimafolgen.
Ist Fassadenbegrünung wartungsintensiv?
Der Pflegeaufwand hängt stark vom System, der Pflanzenwahl und der Planung ab. Professionell geplante Systeme reduzieren den langfristigen Wartungsaufwand erheblich.
Welche gesetzlichen Entwicklungen gibt es aktuell?
Viele Städte verschärfen ihre Vorgaben für Gebäudebegrünung. Wien gilt als Vorreiter mit verpflichtenden Dachbegrünungen und Fassadenbegrünungen im Neubau.
Welche Gebäude eignen sich besonders für Begrünung?
Besonders geeignet sind Flachdächer, große Fassadenflächen und stark besonnte Gebäudeseiten. Grundsätzlich lassen sich jedoch viele Gebäudetypen begrünen, sowohl im Neubau als auch im Bestand.
Warum wird Gebäudebegrünung zunehmend zum Baustandard?
Weil Städte Lösungen für Hitze, Starkregen und Klimaanpassung benötigen. Begrünte Gebäude liefern messbare ökologische Leistungen und werden deshalb zunehmend regulatorisch eingefordert.
Welche Rolle spielt Regenwassermanagement bei Gebäudebegrünung?
Regenwassermanagement ist zentral für klimaresiliente Gebäude. Gespeichertes Regenwasser kann für Bewässerung genutzt werden und reduziert gleichzeitig die Belastung urbaner Entwässerungssysteme.


